Website für Handwerksbetriebe: was wirklich drauf muss
Ich habe in den letzten Jahren einige Websites für Betriebe gebaut und dabei ein Muster gesehen: Fast alle wollen zuerst über sich reden. Wer anruft, will aber etwas ganz anderes wissen.
Die drei Fragen, die wirklich gestellt werden
Wer als Privatperson einen Handwerker sucht, hat meistens ein Problem und wenig Geduld. Er will drei Dinge wissen:
- Machst du das, was ich brauche?
- Kommst du zu mir?
- Wie erreiche ich dich, und meldest du dich überhaupt?
Alles andere ist zweitrangig. Trotzdem beginnen die meisten Seiten mit der Firmengeschichte seit 1987 und einem Foto vom Firmengebäude.
Was das konkret bedeutet
Die Leistungen gehören nach oben, im Klartext
Nicht "Sanitär, Heizung, Klima" als Überschrift. Sondern die Dinge, nach denen Leute tatsächlich suchen: Bad sanieren, Wärmepumpe einbauen, Rohrbruch, Therme tauschen, Wartung.
Wer "Heizung kaputt" googelt, sucht nicht nach "Haustechnik aus einer Hand".
Das Einzugsgebiet muss dastehen
Einer der häufigsten Fehler. Auf der Seite steht der Ort des Betriebs, aber nirgends, wie weit er fährt.
Jemand aus Waidhofen, der einen Betrieb aus Amstetten sieht, denkt sich: Ob die zu mir kommen? Und ruft dann jemand anderen an. Ein Satz löst das: "Wir arbeiten im Umkreis von rund 40 Kilometern, von Amstetten über Waidhofen bis Melk."
Die Telefonnummer gehört klickbar in den sichtbaren Bereich
Am Handy will niemand eine Nummer abtippen. Sie muss oben stehen, groß genug sein und beim Antippen den Anruf starten.
Klingt banal. Ist bei einem großen Teil der Seiten, die ich mir ansehe, nicht der Fall.
Echte Bilder schlagen alles
Ein Foto von der eigenen Werkstatt, vom Team, vom Firmenauto. Kein Stockfoto von lächelnden Menschen mit Schutzhelm, die noch nie eine Baustelle gesehen haben.
Das ist der schnellste Vertrauensgewinn, den es gibt, und er kostet nur die Zeit fürs Fotografieren.
Der Praxistipp dazu: Fotografiere über zwei Wochen einfach mit, was ohnehin passiert. Eine fertige Arbeit, ein Detail, das gut geworden ist, das Team beim Einsatz. Nach zwei Wochen hast du genug Material für eine ganze Website. Das schlägt jeden Fototermin, bei dem alle verkrampft in die Kamera schauen.
Der Punkt, den fast alle unterschätzen
Für viele Betriebe ist der wertvollste Effekt einer Website heute nicht die Kundengewinnung, sondern die Mitarbeitersuche.
Wer sich bewirbt, schaut vorher auf die Website. Immer. Und was er dort findet, entscheidet mit, ob er die Bewerbung abschickt.
Steht dort nur "Wir sind ein traditionsreiches Familienunternehmen", weiß er nichts. Sieht er dagegen das Team, die Fahrzeuge, die Arbeit, und einen Satz dazu, wie es ist, dort zu arbeiten, ist er einen Schritt weiter.
Eine eigene Seite für offene Stellen ist einer der Punkte mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Sie muss nicht schön sein, sie muss ehrlich sein.
Was du weglassen kannst
- Den Bildschirmschoner-Hero. Ein großes Video, das zehn Sekunden lang nichts sagt, während der Besucher wartet.
- "Herzlich willkommen auf unserer Homepage". Das kostet die wichtigste Zeile der Seite für null Information.
- Die Historie im ersten Absatz. Sie darf rein, aber weiter unten. Sie überzeugt niemanden, der ein Problem hat.
- Zertifikatslogos, die niemand kennt. Eines, das etwas bedeutet, ist mehr wert als sechs, die niemand einordnen kann.
Und das Rechtliche
Kurz, weil es wichtig ist und schnell teuer wird: Impressum und Datenschutzerklärung müssen da sein und von jeder Seite aus erreichbar. Als Gewerbetreibender in Österreich gehören dazu auch die Wirtschaftskammer-Zugehörigkeit, die Gewerbebehörde und ein Verweis auf die Gewerbeordnung.
Wenn du eine Karte einbindest, darf die erst nach einem Klick laden, sonst gehen Daten deiner Besucher an einen Dritten, bevor jemand zugestimmt hat. Dasselbe gilt für Schriftarten, die von fremden Servern kommen.
Das sind Dinge, die man einmal richtig macht und dann nie wieder anfassen muss.
Der ehrlichste Rat zum Schluss
Eine Website bringt dir keine Aufträge, wenn dich niemand findet und niemand anruft. Sie ist der Ort, an dem sich entscheidet, ob jemand, der dich schon gefunden hat, zum Hörer greift.
Deshalb ist die wichtigste Frage nicht "Wie sieht sie aus?", sondern: Beantwortet sie in dreißig Sekunden, was mein Kunde wissen will?
Wenn ja, ist sie gut genug. Alles Weitere ist Kür.
Passt das auf deinen Betrieb?
Schreib mir kurz, was du vorhast. Ich sage dir ehrlich, ob und wie ich helfen kann. Das Erstgespräch kostet nichts.
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